Mozarts "Requiem" als Hommage auf den großen Thomaskantor - so jedenfalls wollte der Chor des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums sein Konzert in St. Maria Magdalena im Bach-Jahr 2000 verstanden wissen. Peter Henn (...) und Toni Schüller schafften es, Schüler, Eltern, Lehrer und Ehemalige in den großen Chor und das Orchester als homogenes Ganzes zu vereinigen.
Gelungen war schon die Konzeption, Teile aus Bachs Spätwerk - "Crucifixus"-Abschnitt aus dem "Credo" der h-Moll-Messe und "Agnus Dei" und "Dona nobis pacem" daraus sowie Anfang und Schluss der "Kunst der Fuge" - mit Mozarts Requiem zu verknüpfen. Nach der instrumental umgesetzten Choralbearbeitung "Vor Deinen Thron tret ich hiermit" erschien es einleuchtend, dass das Requiem Mozarts zu Ehren Bachs erklang. Schließlich hatte Mozart intensiv Bachs Fugen studiert.
So schrieb er zwei Fugen aus dem "Wohltemperierten Klavier" für Streichquartette um. Großartig vermittelten die Musiker nun Mozarts ausgefeilte, klassische Fugen beispielsweise im Introitus und im Kyrie. Prachtvoll setzten da Chor, Orchester und Gesangssolisten die tonmalerische Sprache der Sequenz um, aus der Mozarts Bewunderung für das Barock und damit für Bach sprach. Der Dramatik trugen Chor und Orchester durch packende, lautstarke Ausbrüche Rechnung.
Angemessen verhalten und innig gläubig verstanden die Interpreten aber auch andächtige Momente zu vermitteln. Dazu standen Peter Henn in Lisa Graf (Sopran), Cordula Hörsch (Alt), Thomas Klose (Tenor) und Wolfgang Georg (Bass) exzellente Solisten zur Verfügung. Verdient waren somit die Beifallsovationen.
(Bonner Rundschau v. 1.3.00)
Wenn junge Leute Musik zum Tode präsentieren, entsteht ein Spannungsfeld zwischen natürlichem Lebensgefühl und ästhetischem Gegenstand. In der Endenicher Kirche St. Maria Magdalena führten Chor und verstärktes Orchester des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums unter der Leitung von Peter Henn Mozarts Totenmesse auf, welcher drei Sätze, darunter das "Crucifixus" aus Bachs h-Moll-Messe und der Choral "Vor Deinen Thron tret ich hiermit" vorgeschaltet waren.
Mit tiefem Ernst, aber auch mit jugendlicher Frische wurde diese Musik der letzten Dinge angegangen. Gelegentlich hätte man sich etwas vorsichtiger dosierte Lautstärken gewünscht, aber es blieb dennoch Raum für sensible Differenzierungen. Dass die Koordination zwischen Instrumenten und Chor nicht immer ganz perfekt geriet, störte dagegen wenig.
Mit dem Requiem entwarfen die Musiker eine Szenerie von gewaltiger Deutlichkeit, das "Dies irae" geriet zum sinnlich erfahrbaren Schreckensbild vom Jüngsten Tag. Trauer und helle Feierlichkeit wechselten sich ab. (...)
(Norbert Stich in: General-Anzeiger Bonn v. 28.2.00)
Tsch pff tzz, tsch pff tzz ..." - in der Aula des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums hat sich der große Chor zum Einsingen aufgestellt. Die Spannung ist groß: Zum ersten Mal wollen der Chor und das erweiterte Schulorchester zusammen das Konzertprogramm für das Wochenende proben.
Zuerts muss der Chor jedoch stimmlich auf Touren gebracht werden. "Das klingt noch nach gutem Sonntagsbraten", kommentiert Musiklehrer und Leiter Peter Henn kritisch die erste Singübung. Eine Viertelstunge später ist er zufrieden. Das Orchester kann dazukommen.
Zweimal wollen die Schüler, Eltern und Lehrer des "Großen Chors des EMA" und des Schulorchesters am Wochenende Mozarts Requiem und Teile aus Bachs h-Moll-Messe aufführen. Eine Herausforderung, vor allem für das Orchester. Damit Peter Henn mit den Instrumentalisten auch mal allein üben kann, muss der Chor zwischendurch stillsitzen: "Das ist jetzt schwieriger als singen", sagt Henn zu den rund 90 Sängern, "aber während ihr nur einen Ton singt, haben die Geigen sechzehn zu spielen." Nach kurzer Übung werden Chor- und Orchesterstimmen wieder zusammengesetzt. Jetzt stimmt alles.
(Neben dem mathematisch-naturwissenschaftlichen hat das EMA einen musischen Schwerpunkt.) "Wir wollen, dass möglichst viele Schüler aktiv Musik machen", beschreibt Peter Henn das Ziel, das hinter dem Titel steht. Die Schule möchte nicht nur Spitzenmusiker fördern, sondern auch die Kinder und Jugendlichen zur Musik bringen, die zu Hause kein Instrument lernen. "Ich schätze, dass etwa die Hälfte der Schüler des Chores sonst gar keine Musik machen", so Peter Henn.
Der große Durchbruch in der gemeinsamen Probenarbeit kam bei einem Probenwochenende außerhalb Bonns. Vor zwei Wochen waren Chor und Schulorchester in einer Jugendherberge in Olpe. In Einzelproben bekam dort jede Stimmgruppe den richtigen Schliff. Unterrichtet haben Henns Kollege Toni Schüller, das russische Chorleiter-Ehepaar Pawel Brochin und Irina Brochina und zwei professionelle Streich-Instrumentalisten.
Am Abend wurde ein Teil aus dem Film "Amadeus" von Milos Forman gezeigt und kritisch beleuchtet. "Alle haben die geistige Dimension mitgekriegt. Bis ein Uhr nachts haben die Schüler am Kamin über Mozart diskutiert", freut sich Henn.
Dass Schüler, Eltern und Lehrer sich mit der Musik identifizieren, war bei der Generalprobe deutlich zu spüren: Alle waren hellwach, niemand ließ sich von den anderen mitziehen. Die Blicke der Sänger ruhten mehr auf dem Dirigenten als auf den Noten. "Jeder ist gleich wichtig", so Peter Henn. "Das gilt für die elfjährige Geigerin genauso wie für den Konzertmeister, der auch im Landesjugendorchester am ersten Pult sitzt."
(Angela Leinen in: General-Anzeiger Bonn v. 23.2.00)
(...) Die Klangbalance stand im Zentrum der letzten Arbeitsprobe in der Aula des Gymnasiums. (...) Jedes Jahr führt das EMA ein Oratoriumskonzert durch, in diesem Jahr mit Mozarts Requiem sowie mit Auszügen aus Bachs h-Moll-Messe und der Kunst der Fuge. Nicht nur der Umfang des Konzertes ist für die Musiker ungewöhnlich groß. Zum dritten Mal wird ein Konzert des EMA für "Klassik für Menschenrechte" aufgezeichnet. Außergewöhnlich auch noch ein Drittes: "Wir sind mit diesem Programm ans Deutsch-Italienische Kulturinstitut in Venedig eingeladen und werden dort im Oktober spielen", sagte Peter Henn. (...)
(Bonner Rundschau v. 23.2.00)